NESTROYS "ZU EBENER ERDE UND ERSTER STOCK"
Ein Haus. Zwei Geschosse. Zwei Wohnungen. Simultanes Spiel über zwei Ebenen. Während im ersten Stock in der Wohnung des Herrn „Goldfuchs" der Prunk und die Völlerei an der Tagesordnung sind – Motto: Geld spielt keine Rolle, man hat es im Überfluss! – darbt zu ebener Erde die Familie des armen Tandlers „Schlucker" mit vier hungrigen Kindern im alltäglichen Kampf gegen den Hunger und die sie bedrängenden Gläubiger.
In der scheinbar streng abgeschotteten Hierarchie zwischenoben und unten gibt es jedoch auch verbindende Elemente, denn die Tochter von „oben" ist in Liebe für den Sohn von „unten" entbrannt und umgekehrt. Aber wie bei Shakespeare sehen sich Romeo und Julia (hier: Emilie und Adolf) einer Mauer von Verboten, Vorurteilen und Intrigen gegenüber, die ihrem Glück im Wege stehen. Doch das Leben hat seine eigene überraschende Dramaturgie und kann Schicksale in der Zeit eines Wimpernschlags in ihr Gegenteil verkehren: der plötzlich verarmte Goldfuchs muss, verlassen von all seinen Speichelleckern und Bedienten, in die Wohnung zu ebener Erde während die Familie Schlucker den ersten Stock bezieht.
Das komplizierte Spiel der Gleichzeitigkeit auf zwei Ebenen nutzte Nestroy gekonnt zur Darstellung eines Querschnitts des Lebens, das den „Launen des Glücks" unterworfen ist. Die Sensation eines solchen Bühnenbildes war zu Nestroys Zeiten so enorm, dass das Publikum das Theater stürmte, nur um diese aufregende, für sie neue Bühnenlösung zu sehen.
Premiere 22. Juni
Burg Güssing
Weitere Aufführungen:
28., 29. Juni, 5., 6., 12., 13., 19., 20. und 21. Juli
Beginn jeweils 20.30 Uhr
Bühnenbild: Heinz Ebner
Musikalische Leitung: Franz Stangl
Regie: Frank Hoffmann
Pressestimmen 2012
Doch warum die nestroysche Possenreißerei mit Gesang?
Damit gedenket der Güssinger Kultursommer dem 150. Todestag des legendären Meisters der Altwiener Komödie und möchte gleichzeitig an die Erfolge von "Der Brandner Kaspar" (2009 / 2010) und "Im weissen Rössl" (2011) nahtlos anknüpfen.
Als Bindeglied fungiert einerseits Manfred Semler, 2011 mit dem Sonderpreis des Rot-Goldenen Brettls (Burgenländischer Amateur-Theaterpreis) ausgezeichnet, in der Rolle des "Weinberl". Andererseits wird die Hauptrolle des "Christopherl" von Susanne Dunst und damit von einer Künstlerin besetzt, die "im weissen Rössl" mit Schauspielalent gleichwie Gesangs- und Tanzkunst glänzte.
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